Redebeitrag für die Protest-Kundgebung "Stoppt die Abschiebung nach Afghanistan"

Am 07.04.2021 fand vor dem BER eine Protest-Kundgebung gegen die Sammelabschiebung nach Afghanistan statt. Dafür hat Johannes (RLC Berlin) eine Rede geschrieben, die er leider krankheitsbedingt nicht vortragen konnte und die deshalb von Kathi (RLC Berlin) gehalten wurde. Wir möchten uns bei den Organisator:innen der Kundgebung sowie Johannes und Kathi für ihr Engagement bedanken.


Die ganze Rede könnt ihr hier nachlesen:

"Heute stehen wir hier, weil wieder einmal Menschen zwangsweise in eines der gefährlichsten Länder der Welt abgeschoben werden sollen. Wir stehen hier, weil das rassistische Migrationsregime Deutschlands und Europas in einem gewaltvollen Akt Menschen aus der Gesellschaft ausschließen will. Und wir stehen hier, weil genau diese menschenverachtende Politik nicht davor zurückschreckt, Menschen sterben zu lassen, sei es auf dem Mittelmeer oder in ihren vermeintlich sicheren Herkunftsländern. Wir stehen hier, weil wir das nicht zulassen wollen! Wir stehen hier, weil jede Abschiebung verhindert werden muss!

Eine Abschiebung, wie sie heute stattfinden soll, ist der finale Akt innerhalb eines strukturell und institutionell rassistischen Systems.


Ein System, das durch seine Abschottungspolitik jährlich tausende Menschen auf dem Mittelmeer und an den Außengrenzen sterben lässt. Ein System, das für seine Externalisierungspolitik mit Diktatoren und autoritären Regimen zusammenarbeitet, um Menschen daran zu hindern, Europa zu erreichen. Ein System, in dem die Chance für geflüchtete Menschen, in Deutschland zu bleiben, viel zu oft davon abhängt, ob ihr Aufenthalt den wirtschaftlichen Interessen Deutschlands dient. Ein System, das durch sein Aufenthaltsgesetz rassifizierte Menschen in extreme Abhängigkeit von Arbeitgeber:innen zwingt und so ihre Überausbeutung durch deutsche

Unternehmen ermöglicht, während die eigenen Gewinnmargen in die Höhe getrieben werden.

Es ist ein System, in dem Schwarze Menschen, People of Color und geflüchtete Mensch durch racial profiling und sogenannte Migrationskontrollen regelmäßig Polizeigewalt ausgesetzt sind. Ein System, das Menschen selbst am Höhepunkt einer Pandemie in unwürdigen, abgeschotteten und überwachten Lagern ohne Privatsphäre einsperrt, die sich - wenig überraschend - zu Corona Hotspots entwickeln und so erneut die Leben geflüchteter Menschen gefährden. ​Und am Ende dieses Systems stehen die Abschiebungen all derjenigen, die es nicht geschafft haben, dem deutschen Staat glaubhaft zu machen, dass sie den ökonomischen Interessen Deutschlands dienen können oder dass es einen Grund für ihren Aufenthalt hier gibt, den der deutsche Staat als legitim anerkennt.

Dieses System gehört abgeschafft! Und zwar sofort!

Wir fordern ein Ende der rassistischen und tödlichen Grenzpolitiken auf dem Mittelmeer und an den EU-Außengrenzen!

Wir fordern die sofortige Auflösung aller Lager und Sammelunterkünfte in Deutschland und an den Außengrenzen, sowie eine menschenwürdige Unterbringung aller geflüchteter Menschen! Wir fordern sichere Routen nach Europa und Bewegungsfreiheit für alle und überall!

Wir fordern ein Ende der rassistischen Polizeigewalt gegen Schwarze Menschen, People of Color und Geflüchtete! Wir fordern den sofortigen Stopp aller Abschiebungen, egal in welches Land!

Zum Abschluss noch ein paar Worte an alle die, die hier heute zufällig vorbeikommen. An die Flugreisenden, Mitarbeiter:innen des Flughafens und der Fluggesellschaften (und Polizist:innen): Handeln Sie, wenn sie mitbekommen, dass Menschen in ihrem Flugzeug abgeschoben werden sollen. Verweigern Sie die Arbeit oder lassen Sie sich kollektiv krankschreiben! Äußern Sie Ihren Protest gegenüber den Pilot*innen, dem Flugzeugpersonal (und Kolleg:innen) und solidarisieren Sie sich mit der Person, die abgeschoben werden soll. Ein Flugzeug, in dem nicht alle Passagiere sitzen, darf nicht starten. Bleiben Sie also standhaft!

Vielen Dank!"